Der zweite Abschnitt unserer Reise, die Wüstentour, beginnt mit einer ca. 8 stündigen Autofahrt für 560 km nach Mezouga. Dazu hatten wir einen eigenen Van mit Fahrer für unsere kleine Reisegruppe (Richarda, Leida, Tobias, Timo und Heinz) bestellt. Wir hatten Glück und bekamen einen sehr gut ausgestattet Mercedes – Van mit einem freundlichen, englisch sprechenden Fahrer. Aufgrund eines Übermittlungsfehlers zwischen der Buchungsplatform Viator in Deutschland und dem lokalen Veranstalters mussten wir ca. 250 Euro nachzahlen.
Nach der Fahrt nach Mezouga, beginnt der Wüstenaufenthalt mit dem Kamelritt zum Camp. Da ein leichter Sandsturm herrschte, mussten erstmal Turbane gebunden werden.





… mit ein paar netten Kopfbedeckung wg. des Sandsturms


Ein besonderer Stop auf der Rückfahrt war der Besuch der Khettaras (oder Qanats); sie sind ein traditionelles Bewässerungssystem, das in vielen trockenen Regionen der Welt verwendet wird, einschließlich Marokko. Diese unterirdischen Kanäle spielen eine entscheidende Rolle in der Geschichte und Kultur der Berbervölker in Marokko, insbesondere in den oasenartigen Regionen.
Die Sandbeföderungsanlage des Tunnelsystems

Ursprung und Verbreitung
- Herkunft: Das System der Khettaras hat seinen Ursprung vermutlich im alten Persien (heutiger Iran) vor über 2.500 Jahren. Es wurde dann über Handelswege und Eroberungen nach Nordafrika und andere Teile der Welt verbreitet.
- Einführung in Marokko: Die Khettaras wurden wahrscheinlich von den Berbern oder durch persischen Einfluss in Marokko eingeführt. Sie sind in verschiedenen Regionen Marokkos zu finden, insbesondere in den Oasen von Tafilalet und dem Draa-Tal.
Funktionsweise
- Technik: Eine Khettara besteht aus einer Serie von vertikalen Schächten, die mit einem leicht abfallenden, unterirdischen Tunnel verbunden sind. Der Tunnel leitet Wasser von einer Quelle oder einem Grundwasserspeicher zu den landwirtschaftlichen Flächen. Die Schächte dienen zur Belüftung und als Zugang für Wartungsarbeiten.
- Nachhaltigkeit: Dieses System nutzt das natürliche Gefälle des Landes, um Wasser ohne den Einsatz von Pumpen zu transportieren. Es ist besonders effizient in ariden Regionen, da es die Verdunstung minimiert und eine kontinuierliche Wasserversorgung gewährleistet.
Historische Bedeutung
- Wirtschaftliche Bedeutung: Die Khettaras waren entscheidend für die landwirtschaftliche Entwicklung in vielen trockenen Regionen Marokkos. Sie ermöglichten den Anbau von Datteln, Getreide und anderen Kulturen in Gebieten, die sonst zu trocken für die Landwirtschaft gewesen wären.
- Soziale Struktur: Die Wartung und Nutzung der Khettaras war oft gemeinschaftlich organisiert. Dies förderte die soziale Kohäsion und Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaften. Oft gab es detaillierte Regelungen zur Wasserverteilung, die Konflikte minimierten und eine gerechte Nutzung sicherstellten.
Herausforderungen und Verfall
- Moderne Einflüsse: Mit der Einführung moderner Bewässerungstechniken und dem Bau von Dämmen und Pumpensystemen haben viele Khettaras an Bedeutung verloren. Diese modernen Systeme können zwar größere Wassermengen liefern, sind jedoch oft weniger nachhaltig und umweltschonend.
- Erhaltung: Viele Khettaras sind heute in einem schlechten Zustand oder völlig verfallen. Dies ist auf mangelnde Wartung, Veränderungen in der Landwirtschaft und die Abwanderung der Bevölkerung aus ländlichen Gebieten zurückzuführen.
Wiederbelebung und Erhaltung
- Bewusstsein: Es gibt ein wachsendes Bewusstsein für die kulturelle und historische Bedeutung der Khettaras. Verschiedene Organisationen und lokale Gemeinschaften arbeiten daran, diese alten Systeme zu erhalten und wieder nutzbar zu machen.
- Nachhaltigkeit: In einer Zeit, in der Wasserknappheit und nachhaltige Landwirtschaft immer wichtiger werden, bieten die Khettaras ein Modell für umweltfreundliche Bewässerungstechniken. Die Wiederbelebung dieser Systeme könnte zur Lösung einiger der heutigen Wasserprobleme beitragen.
Zusammenfassend läßt sich sagen, dass die Khettaras in Marokko sind ein bemerkenswertes Beispiel für alte Ingenieurskunst und nachhaltige Wasserbewirtschaftung. Ihre Geschichte reicht Tausende von Jahren zurück und sie haben eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Landwirtschaft und der sozialen Strukturen in vielen ariden Regionen Marokkos gespielt. Trotz der Herausforderungen und des Verfalls bieten sie wertvolle Lektionen und Potenziale für die Zukunft, insbesondere im Hinblick auf nachhaltige Wassernutzung.



Ein weiterer Stop auf der Rückfahrt war diese im Bild gezeigte Schlucht im Atlasgebirge. Das Atlasgebirge ist eine bedeutende Gebirgskette in Nordafrika, die sich über Marokko, Algerien und Tunesien erstreckt. In Marokko spielt es eine besonders wichtige Rolle in der Geografie, Kultur und Geschichte des Landes.


Hier sind einige Schlüsselaspekte des Atlasgebirges in Marokko:
Geografie und Geologie
- Lage und Ausdehnung: Das Atlasgebirge erstreckt sich über etwa 2.500 Kilometer. In Marokko gliedert es sich in drei Hauptbereiche: den Hohen Atlas, den Mittleren Atlas und den Antiatlas.
- Höhe: Der Hohe Atlas ist der höchste Teil der Gebirgskette und beherbergt den höchsten Gipfel Nordafrikas, den Toubkal, der 4.167 Meter über dem Meeresspiegel liegt.
- Geologie: Das Atlasgebirge entstand durch tektonische Kräfte, als die afrikanische und die eurasische Platte aufeinander trafen. Es besteht aus einer Vielzahl von Gesteinsarten, darunter Sedimentgestein, Vulkanite und metamorphe Gesteine.
Klima
- Klimatische Vielfalt: Das Klima im Atlasgebirge variiert stark je nach Höhe und Region. In den höheren Lagen herrscht ein alpines Klima mit kalten Wintern und milden Sommern, während die tieferen Lagen ein mediterranes oder semi-arides Klima aufweisen.
- Niederschläge: Der Hohe Atlas erhält deutlich mehr Niederschlag als die umgebenden Wüstenregionen, was ihn zu einer wichtigen Wasserquelle für Marokko macht. Der Schneefall im Winter speist viele Flüsse und Stauseen.
Flora und Fauna
- Biodiversität: Das Atlasgebirge ist ein Hotspot der Biodiversität. In den verschiedenen Höhenlagen und Klimazonen finden sich viele endemische Pflanzen- und Tierarten. Die Wälder des Mittleren Atlas sind bekannt für ihre Zedern- und Korkeichenbestände.
- Tierwelt: Das Gebirge beherbergt eine Vielzahl von Wildtieren, darunter Berberaffen, Berberlöwen (in historischen Zeiten), Leoparden, Wildschweine und viele Vogelarten.
Menschliche Besiedlung und Kultur
- Berberkultur: Das Atlasgebirge ist die Heimat der Berber, einer indigenen Volksgruppe Nordafrikas. Die Berber haben eine reiche Kultur und Tradition, die sich in ihrer Sprache, Kunst und Lebensweise widerspiegelt.
- Traditionelle Dörfer: Viele Berberdörfer im Atlasgebirge haben ihre traditionelle Bauweise und Lebensweise bewahrt. Lehmhäuser, Terrassenfelder und Gemeinschaftsleben sind charakteristisch für diese Dörfer.
Wirtschaftliche Bedeutung
- Landwirtschaft: Die fruchtbaren Täler und Hochebenen des Atlasgebirges sind wichtig für den Anbau von Getreide, Obst und Gemüse. Der Niederschlag und die Schneeschmelze sorgen für Bewässerung.
- Tourismus: Das Atlasgebirge ist ein beliebtes Ziel für Wanderer, Bergsteiger und Naturliebhaber. Die beeindruckende Landschaft, traditionelle Dörfer und die Möglichkeit, den höchsten Gipfel Nordafrikas zu besteigen, ziehen zahlreiche Touristen an.
- Ressourcen: Das Gebirge ist reich an natürlichen Ressourcen wie Mineralien, darunter Phosphate, Kohle und Metalle. Der Abbau dieser Ressourcen trägt zur marokkanischen Wirtschaft bei.
Herausforderungen
- Umweltprobleme: Erosion, Abholzung und Klimawandel stellen ernsthafte Bedrohungen für das Atlasgebirge dar. Die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen und der Schutz der natürlichen Umwelt sind entscheidend für die Zukunft der Region.
- Sozioökonomische Entwicklung: Viele Gemeinden im Atlasgebirge sind wirtschaftlich benachteiligt und haben begrenzten Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen Dienstleistungen. Die Förderung der ländlichen Entwicklung und die Verbesserung der Lebensbedingungen sind wichtige Aufgaben.
Das Atlasgebirge in Marokko ist eine beeindruckende und vielfältige Region, die eine wichtige Rolle in der Geschichte, Kultur und Wirtschaft des Landes spielt. Es bietet atemberaubende Landschaften, eine reiche Biodiversität und eine tief verwurzelte Berberkultur. Trotz der Herausforderungen bleibt das Atlasgebirge ein Symbol für die natürliche und kulturelle Vielfalt Marokkos.


Zum Mittagessen haben wir in einer uralten Oase gerastet. Die Oase Ferkla El Oulia in Marokko hat eine lange Geschichte und große Bedeutung für die lokale Bevölkerung sowie für die Region insgesamt.




- Historische Bedeutung: Ferkla El Oulia ist eine der ältesten Oasen in Marokko und hat eine lange Tradition der landwirtschaftlichen Nutzung. Oasen wie diese waren für die antiken Handelsrouten von entscheidender Bedeutung, die durch die Wüstenregionen Nordafrikas führten. Sie dienten als Haltepunkte für Karawanen und boten sowohl Wasser als auch Nahrung für Reisende und ihre Tiere.
- Landwirtschaftliche Nutzung: Die Oase ist berühmt für ihre landwirtschaftliche Produktion. Durch die Bewässerungssysteme, die seit Jahrhunderten genutzt werden, konnten die Bewohner eine Vielzahl von Kulturen anbauen, darunter Datteln, Obst, Gemüse und Getreide. Dies spielt eine wichtige Rolle in der lokalen Wirtschaft und trägt zur Ernährungssicherheit in der Region bei.
- Kulturelle Bedeutung: Die Oase Ferkla El Oulia ist auch kulturell bedeutend. Sie ist oft Schauplatz lokaler Feste, Märkte und kultureller Veranstaltungen, die das soziale Leben der Gemeinschaft bereichern. Traditionelle Praktiken und Bräuche rund um die Bewässerung und landwirtschaftliche Arbeit sind tief in die lokale Kultur verwurzelt.
- Ökologische Rolle: Als Oase spielt Ferkla El Oulia eine wichtige ökologische Rolle. Oasen sind Rückzugsgebiete für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten in ansonsten trockenen Wüstenlandschaften. Sie tragen zur Erhaltung der Biodiversität bei und sind daher auch aus ökologischer Sicht von großer Bedeutung.
- Herausforderungen und Zukunft: Trotz ihrer Bedeutung stehen Oasen wie Ferkla El Oulia vor Herausforderungen wie Wasserknappheit, Übernutzung der Ressourcen und dem Druck durch den Klimawandel. Nachhaltige Bewirtschaftungspraktiken und der Schutz der natürlichen Ressourcen sind entscheidend, um die Zukunft dieser Oasen zu sichern.
Zusammengefasst ist die Oase Ferkla El Oulia nicht nur ein wichtiges landwirtschaftliches Zentrum, sondern auch ein kulturelles und ökologisches Symbol für die Menschen in Marokko. Ihre Geschichte und Bedeutung spiegeln die enge Verbindung zwischen Mensch und Umwelt in Wüstengebieten wider.
Der letzte Stop auf dem Weg nach Essaouira war das historische Dorf Ksar Aït Ben Haddou. Ksar Aït Ben Haddou ist ein historisches befestigtes Dorf (Ksar) in der Provinz Ouarzazate in Marokko. Es ist bekannt für seine markante Lehmarchitektur und seine beeindruckende Lage am Ufer des Flusses Ounila. Dieser Fluß führt nur Salzwasser; das Salz wird aus dem nahem Gebirge ausgewaschen. Das Ksar ist ein herausragendes Beispiel traditioneller marokkanischer Baukunst und ein UNESCO-Weltkulturerbe. Hier sind einige wichtige Aspekte der Geschichte und Bedeutung von Aït Ben Haddou:

Geschichte
- Gründung und Frühgeschichte: Das genaue Gründungsdatum von Ksar Aït Ben Haddou ist unbekannt, aber es wird angenommen, dass es im 17. Jahrhundert erbaut wurde. Es diente als wichtiger Knotenpunkt auf den Handelsrouten zwischen der Sahara und Marrakesch, über die Waren wie Salz, Gold, Elfenbein und Sklaven transportiert wurden.
- Architektur: Das Ksar besteht aus einer Gruppe von Kasbahs (befestigten Häusern) aus Lehmziegeln, die auf einer Anhöhe errichtet wurden. Diese Struktur bot Schutz vor Überfällen und plötzlichen Fluten des Flusses Ounila. Die Kasbahs sind reich verziert und repräsentieren die traditionelle Berber-Architektur der Region.
Bedeutung
- Handelsroute: Aufgrund seiner strategischen Lage war Aït Ben Haddou ein wichtiger Halt für Karawanen, die Waren von der Sahara nach Norden brachten. Der Wohlstand des Dorfes basierte auf diesem Handel, und die beeindruckende Architektur zeugt von dieser Blütezeit.
- Kulturelles Erbe: Aït Ben Haddou ist ein bedeutendes kulturelles Erbe Marokkos und ein Symbol der Berbertradition und -architektur. Es ist ein beliebtes Touristenziel und zieht Besucher aus aller Welt an, die seine malerische Schönheit und historische Bedeutung schätzen.
- Filmindustrie: Das Ksar diente als Kulisse für zahlreiche Filme und Fernsehserien, darunter „Lawrence von Arabien“, „Gladiator“ und „Game of Thrones“. Dies hat zur internationalen Bekanntheit und zum touristischen Interesse an Aït Ben Haddou beigetragen.
UNESCO-Weltkulturerbe
- Ernennung: 1987 wurde Ksar Aït Ben Haddou zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Diese Anerkennung würdigt die außergewöhnliche Universalität und den Erhaltungswert des Ortes sowie seine Bedeutung für das kulturelle Erbe der Menschheit.
- Erhaltung: Die Ernennung zum Weltkulturerbe hat dazu beigetragen, die Erhaltungsbemühungen zu stärken und internationale Unterstützung für die Restaurierung und Pflege des Ksar zu mobilisieren. Dies ist besonders wichtig, da Lehmarchitektur anfällig für Witterungseinflüsse ist.
Tourismus
- Attraktion: Ksar Aït Ben Haddou ist heute eine der beliebtesten Touristenattraktionen in Marokko. Besucher können durch die engen Gassen wandern, die alten Kasbahs erkunden und den Panoramablick von der Spitze des Hügels genießen.
- Lokale Wirtschaft: Der Tourismus hat eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung für die Region, da er Arbeitsplätze schafft und zum Erhalt des kulturellen Erbes beiträgt.
Zusammenfassung
Ksar Aït Ben Haddou ist ein faszinierendes Beispiel für marokkanische Lehmarchitektur und ein wichtiger historischer Ort. Seine reiche Geschichte, kulturelle Bedeutung und malerische Schönheit machen es zu einem unverzichtbaren Ziel für Besucher, die die Traditionen und die Geschichte Marokkos erleben möchten.



Nach einer einstündigen Führung durch die Altstadt und der Filmkulisse führte uns dann der Weg nach Essaouira wieder durch Marakesch. Mit einem kurzen Stop in einem Kaffee – Shop, mit einem speziellen marokkanischen Kaffee (nach Anleitung unseres Fahrers), waren wir dann nach drei weiteren Stunden Fahrzeit in unserem Riad in Essaouira. Dort wurden wir dann von Lili, Marlene und Fabian empfangen, die schon am Nachmittag angekommen waren.